Talk is cheap - Februar bis April 2018

Talk is cheap - Pop und die Sozialwissenschaften

Vortragsreihe | Diskussionen

 

hosted by Friktionen -Beiträge zu Politik und Gegenwartskultur & dept. of volxvergnuegen
 
 

iRRland, Bergmannstr. 8, Mchn.

jeweils um 20 Uhr | Eintritt frei

 

Die wilde Ehe zwischen Pop und Politik scheint sich in den letzten 15 Jahren merklich abgekühlt zu haben. Nichtsdestotrotz ist Pop die relevante künstlerische Äußerungsform im öffentlichen Raum. Worum ging es und geht es den Akteuren? Was kann man aus geschichtlicher, philosophischer oder soziologischer Sicht aus den Äußerungsformen einer Band oder eines Künstlers/einer Künstlerin mitnehmen? Nach einem Einstiegsvortrag durchsetzt mit Soundbeispielen runden hoffentlich lebhafte Diskussionen mit Kaltgetränken die Veranstaltungen ab.


Talk may be cheap – but is necessary to get an idea about the world.

 

 

Die Themen und Termine der 11. Staffel:   
 

So 11.2.18 - Lisa Meinecke: Phil Ochs - Die Politisierung des neuen Folk

 

Der Vortrag dreht sich um Folk der alten Schule, die US-amerikanische Gegenkultur der 60er Jahre, den Sozialismus und selbstverständlich um Protest und Politik.

Phil Ochs, ein Zeitgenosse von Bob Dylan und Pete Seeger, ist bekannt für seine lyrischen Texte, seine klare politische Haltung und seinen scharfzüngigen Witz. Er selbst lehnt die Bezeichnung seiner Musik als Protestmusik ab und bevorzugt die Bezeichnung „topical songs“ - damit hebt er den aktuellen Zeitbezug seiner Musik hervor (das Wort „topical“ heißt so viel wie „aktuell“). Es geht also nicht nur um Protest und Gegenkultur, sondern um einen direkten Kommentar zu den politischen Ereignissen seiner Zeit. „Here's to the State of Mississippi“ beklagt die rassistischen Zustände in den ehemaligen Südstaaten zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung, „I Ain't Marching Anymore“ gilt als Hymne an die Friedensbewegung. Phil Ochs hält den USA den Spiegel vor und macht auch vor den eigenen Reihen nicht halt – „Love me, I'm a liberal“ etwa ist eine beißend sarkastische Kritik der amerikanischen linken. Phil Ochs steht an der Grenze zwischen altem Folk und neuer Rock Music und schafft es nie ganz, diese zu überschreiten. Gerade durch den Zeitbezug seiner Lieder bekommen wir so Einblick in das aufgewühlte Amerika der späten 1960er Jahre.

Phil Ochs stirbt jung. Gezeichnet von schwerer manischer Depression, begeht er 1976 im Alter von 35 Jahren Selbstmord. Schon am Anfang der siebziger Jahre war er eigentlich schon zum Anachronismus geworden: sowohl Bob Dylans berühmter Griff zur elektrischen Gitarre, als auch das veränderte politische Klima hatten den US amerikanischen Folk nachhaltig verändert.

 

 

So 18.3.18 - Doris Weininger: Einstürzende Neubauten - Hören mit Schmerzen oder Silence Is Sexy

 

Für die Zeit des Kalten Kriegs fanden Geniale Dilettanten/Einstürzende Neubauten mit ihrem Antipop als nervige Geräuschbotschafter den passenden Ton. Enchanté – die Hirnsägen taten weh. Auf den bürgerlichen Dialog mit der Jugend legte das Musiker-Kollektiv nicht unbedingt Wert. Eher war die Musik nach ihrem würdigsten Verehrer, dem österreichischen Dramatiker Werner Schwab mit „Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos“ ausgerichtet. Eine fruchtbare Laison zwischen Mannschaftsatmosphäre mit Stahlklang-Arrangements und dem Kriechen unter dem hohen Hohlraum einer Autobahnbrücke feiert den Untergang. Die Einstürzenden Neubauten setzen mit ihren Dämonen, einer nihilistischen Dekadenz aus dem Berliner „Dschungel“ und „SO 36“ der heraufkeimenden Industrial-Kultur ihren Stempel auf und sagen dem Adenauer-Wohnzimmer ihren großstadtapokalyptischen Kampf an. Von Konservativen meist als zerstörerische Musikzellen kritisiert, weckten sie den Theaterbetrieb mit ihren brachialen Produktionsmittel bis in die DDR auf. Und nach all dem Krach, der nächste Schock – Silence is sexy. Die Meisterschaft der Neubauten den Tinnitus im Ohr zum Kreischen zu bringen.

 

Doris Weininger ist als freiberufliche Archivarin (FH) und Texterin in München für Agenturen tätig. Dazwischen arbeitet sie als Kalligrafin. Außerdem ist sie Autorin (diverse Literaturzeitschriften: „Am Erker“, „Signum“ und Kleinverlag „Black ink“) und Filmkritikerin für artechock. In dem quartalsweise erscheinenden Onlinemagazin „Friktionen“ (www.friktionen.de) ist sie als Miss Harmlos auch manchmal vertreten. Als begeisterte Konsumentin subkultureller musikalischer Strömungen der 80er und 90er Jahre verfügt sie über einen profunden Überblick die Popkultur der späten Moderne.

 

So 22.4.18 - Eve Massacre: That's why the lady is a fan

 

Fankultur in der Popkultur wird häufig als sehnsuchtsvoller Blick auf den Star aus der Ferne verstanden. Eve Massacre macht sich auf Spurensuche, von Bobbysoxers bis zu Directioners, von Gilmore Girls bis zu Fanfiction, und überlegt, inwiefern ein solches Fanverständnis dazu beiträgt, eine Genderkluft im Pop aufrechtzuerhalten. Gerade mit dem Blick auf die nicht-männlichen Fans stellt sie die Frage, ob durch verschiedene Formen der Vernetzung – von Riot Grrl bis tumblr-Memes, von derivater Kultur bis zu configurable culture – inzwischen neben einer hyperkommerzialisierten auch eine interaktivere und selbstermächtigendere Fankultur gewachsen ist.

 

Eve Massacre ist Künstlerin, Veranstalterin (musikverein-concerts.de ), Autorin und DJ. Sie hält Vorträge zu Web Theory / Kultur der Digitalität von Social Media bis VR/AR, sowie zu pop-kulturellen und sozialpolitischen Themen, mit queer-feministischem Blick. Sie veröffentlichte u.a. in testcard, Aanalyse & Kritik, Radio Z.

 

Am Abend davor: 

Sa. 21.4.18 @ Kiste, Siegesstraße 17

dance first. think later. Eve Massacre DJ Set

 

 

mit Unterstützung der

 

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