Oktober bis Dezember 2017 - Talk is cheap X

 

 

 

Talk is cheap - Pop und die Sozialwissenschaften

Vortragsreihe | Diskussionen

 

hosted by Friktionen -Beiträge zu Politik und Gegenwartskultur & dept. of volxvergnuegen
 
 

iRRland, Bergmannstr. 8, Mchn.

jeweils um 20 Uhr | Eintritt frei

 

Die wilde Ehe zwischen Pop und Politik scheint sich in den letzten 15 Jahren merklich abgekühlt zu haben. Nichtsdestotrotz ist Pop die relevante künstlerische Äußerungsform im öffentlichen Raum. Worum ging es und geht es den Akteuren? Was kann man aus geschichtlicher, philosophischer oder soziologischer Sicht aus den Äußerungsformen einer Band oder eines Künstlers/einer Künstlerin mitnehmen? Nach einem Einstiegsvortrag durchsetzt mit Soundbeispielen runden hoffentlich lebhafte Diskussionen mit Kaltgetränken die Veranstaltungen ab.


Talk may be cheap – but is necessary to get an idea about the world.

 

 

Die Themen und Termine der 10. Staffel:   
 

So. 15.10.17

Lecture 28: Lassie Singers – Konstruktivistischer Postfeminismus als brüchiges Programm

(Referent: Matthias Hofmann)
 
Die Eroberung der Bühne blieb über weite Strecken der popkulturellen Entwicklung ein von Männern dominiertes Phänomen. Frauen auf der Bühne mussten und müssen sich immer als ein außergewöhnliches Phänomen begreifen lassen, insbesondere, wenn es sich um ausschließlich von Frauen betriebene Projekte handelt.
Die Lassie Singers aus Berlin versuchten diese situative Schwere mit Leichtigkeit in Musik und Text zu entgehen. Verwurzelt in der Berliner Alternativkultur der 80er Jahre warfen sie ein von Ironie und Melancholie durchdrungenes Bild auf das Geschlechterverhältnis und ein Leben jenseits der Bürgerlichkeit in der neuen Bundesrepublik.
 
 

So. 12.11.17

Lecture 29: Einstürzende Neubauten - Hören mit Schmerzen oder Silence is sexy

(Rerentin: Doris Weininger) 

 
Für die Zeit des Kalten Kriegs fanden Geniale Dilettanten/Einstürzende Neubauten mit ihrem Antipop als nervige Geräuschbotschafter den passenden Ton. Enchanté –  die Hirnsägen taten weh. Auf den bürgerlichen Dialog mit der Jugend legte das Musiker-Kollektiv nicht unbedingt Wert. Eher war die Musik nach ihrem würdigsten Verehrer, dem österreichischen Dramatiker Werner Schwab mit „Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos“ ausgerichtet. Eine fruchtbare Laison zwischen Mannschaftsatmosphäre mit Stahlklang-Arrangements und dem Kriechen unter dem hohen Hohlraum einer Autobahnbrücke feiert den Untergang. Die Einstürzenden Neubauten setzen mit ihren Dämonen, einer nihilistischen Dekadenz aus dem Berliner „Dschungel“ und „SO 36“ der heraufkeimenden Industrial-Kultur ihren Stempel auf und sagen dem Adenauer-Wohnzimmer ihren großstadtapokalyptischen Kampf an. Von Konservativen meist als zerstörerische Musikzellen kritisiert, weckten sie den Theaterbetrieb mit ihren brachialen Produktionsmittel bis in die DDR auf. Und nach all dem Krach, der nächste Schock – Silence is sexy. Die Meisterschaft der Neubauten den Tinnitus im Ohr zum Kreischen zu bringen.  
 
 

So. 10.12.17

Lecture 30: The Smiths – Die Neudefinition des Männerbilds im Indierock 

(Referent: Matthias Hofmann)
 
Die Smiths ist die wichtigste Band der Popgeschichte, noch vor den Beatles und den Stones – zumindest, wenn man sich dem Votum des englischen New Musical Express anschließt. Kontinentaleuropäer mag dieses Urteil überraschen, genießt die Band hier doch keinen Bekanntheitsgrad, der mit dem der zwei Bands der sechziger Jahre vergleichbar wäre. Trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick auf die von 1982 bis 1987 aktive und tief in der britischen Alternativkultur verwurzelten Gitarrenband aus Manchester, denn in nur 5 Jahren gelang hier eine Verschiebung des Bilds davon, was ein singender Mann in einer Rockband sein kann und sein soll.

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